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VOB gerecht ausschreiben

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Zwei Möglichkeiten: Leistungsverzeichnis und Leistungsprogramm

Die VOB/A lässt zwei Arten der Leistungsbeschreibung zu: Die Ausschreibung über ein Leistungsverzeichnis und die Ausschreibung über ein Leistungsprogramm. Diese zweite Möglichkeit wird umgangssprachlich häufig als "funktionale Ausschreibung" bezeichnet.
Immer noch im §7 heißt es:

(9)

    Die Leistung ist in der Regel durch eine allgemeine Darstellung der Bauaufgabe (Baubeschreibung) und ein in Teilleistungen gegliedertes Leistungsverzeichnis zu beschreiben.
(10)
    ...
(11)
    ...
(12)
    Im Leistungsverzeichnis ist die Leistung derart aufzugliedern, dass unter einer Ordnungszahl (Position) nur solche Leistungen aufgenommen werden, die nach ihrer technischen Beschaffenheit und für die Preisbildung als in sich gleichartig anzusehen sind. Ungleichartige Leistungen sollen unter einer Ordnungszahl (Sammelposition) nur zusammengefasst werden, wenn eine Teilleistung gegenüber einer anderen für die Bildung eines Durchschnittspreises ohne nennenswerten Einfluss ist.

Der Begriff Teilleistung wird umgangssprachlich häufig als "Position", "Positionstext" oder auch "Leistungsbeschreibung" bezeichnet. Sehr zu beachten ist die Bestimmung unter (12). Demnach ist es z.B. unzulässig, Betonwände oder Decken als Komplettpreis von "Schalung", "Beton" und ggfs. auch noch "Bewehrung" auszuschreiben. Vermeintlich clevere Texte, die möglichst viel Verschiedenes zusammenfassen in der Hoffnung, damit einen günstigen Preis zu erzielen, sind also nicht VOB-gerecht. Sie sind nichts anderes als eine Spekulation auf die vermutete bzw. erhoffte Unwissenheit der Bieter. Und wie es so mit Spekulationen ist: Sie können aufgehen- oder auch nicht...

Während die Ausschreibung über das Leistungsverzeichnis die Regel ist (s.o. (9)), gibt es für bestimmte Fälle auch die Möglichkeit, "Funktional" auszuschreiben, also über ein Leistungsprogramm.

(13)

    Wenn es nach Abwägen aller Umstände zweckmäßig ist, abweichend von Abs. 9 zusammen mit der Bauausführung auch den Entwurf für die Leistung dem Wettbewerb zu unterstellen, um die technisch, wirtschaftlich und gestalterisch beste sowie funktionsgerechteste Lösung der Bauaufgabe zu ermitteln, kann die Leistung durch ein Leistungsprogramm dargestellt werden.
(14)
  1. Das Leistungsprogramm umfasst eine Beschreibung der Bauaufgabe, aus der die Bewerber alle für die Entwurfsbearbeitung und ihr Angebot maßgebenden Bedingungen und Umstände erkennen können und in der sowohl der Zweck der fertigen Leistung als auch die an sie gestellten technischen, wirtschaftlichen, gestalterischen und funktionsbedingten Anforderungen angegeben sind, sowie gegebenenfalls ein Musterleistungsverzeichnis, in dem die Mengenangaben ganz oder teilweise offen gelassen sind.

Bei dieser Verfahrensweise wird ein Teil der planerischen Arbeit auf die Bewerber verlagert. Diese müssen in jedem Fall die Mengen ermitteln und oft auch die konkrete Art der Ausführung, die vom Planer mehr oder weniger genau z.B. durch eine "Gestaltungsabsicht" vorgegeben wird. Allerdings wird hier auch ein Musterleistungsverzeichnis ohne Mengen als Option angeboten. Aus Sicht der Auftraggeber hat dieses Verfahren das Risiko, am Ende nicht unbedingt die Qualität zu erhalten, die man sich vorgestellt hat. Aus Sicht der Auftragnehmer besteht das Risiko u.a. in der Richtigkeit der selbst ermittelten Mengen.

In der Praxis hört man verschiedene Meinungen dazu, welches Verfahren die für den Auftraggeber besseren Preise liefert. Vermutlich gibt es dazu keine eindeutige Antwort. Dazu müsste das gleiche Projekt zur selben Zeit zweimal, nämlich nach beiden Verfahren, ausgeschrieben werden. Das lässt jedoch die VOB/A nicht zu. Dort heißt es im §2:

    Die Durchführung von Vergabeverfahren zum Zwecke der Markterkundung ist unzulässig.

"Das Leistungsverzeichnis ist das Drehbuch für die Baustelle."Prof. Reichel, REICHEL Projektmanagement, Herdecke

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