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VOB gerecht ausschreiben

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Bedarfspositionen (Eventualpositionen)

Wer kennt sie nicht, wer nutzt sie nicht?: Die Möglichkeit, auch nach der Vergabe noch variieren zu können, in dem bestimmte Leistungen als "Eventual" oder auch "Alternativ"-Positionen gekennzeichnet werden. Allein, dieses Verfahren ist nicht mehr im Sinne der aktuellen VOB. Wiederum im Teil A § 7 ist zu lesen:

  1. Bedarfspositionen sind grundsätzlich nicht in die Leistungsbeschreibung aufzunehmen. Angehängte Stundenlohnarbeiten dürfen nur in dem unbedingt erforderlichen Umfang in die Leistungsbeschreibung aufgenommen werden.

Wir werden hier nicht die juristische Bedeutung des Wortes "grundsätzlich" erörtern. Auch dem juristischen Laien erschließ sich: wer davon abweichen will, muss dies ggfs. sehr gut begründen können. Was aber ist der Sinn dieser Regelung? Sie ist die logische Konsequenz aus der Anforderung einer sicheren Preisermittlung. Denn wenn nicht klar ist, was am Ende wirklich gebaut wird, ist der Bieter förmlich zur Spekulation gezwungen. Auf welche Positionen sollen z.B. Gemeinkosten umgelegt werden, wenn nicht klar ist, ob diese zur Ausführung kommen oder nicht? Bei einer sorgfältigen und ansonsten identischen Kalkulation durch zwei Bieter kann dies durchaus dazu führen, dass mal der eine, mal der andere Bieter günstiger ist, je nachdem, wie man bezgl. der Bedarfspositionen gezwungenermaßen spekuliert hat. Unterlegene Bieter haben in der Vergangenheit daraufhin mehr als einmal Vergabeentscheidungen angefochten, was vermutlich zu der o.a. Regelung beigetragen hat. Im Übrigen schiebt diese Regelung auch gewissen Möglichkeiten einer manipulierten Auftragsvergabe einen Riegel vor, die ansonsten einvernehmlich zwischen Bauherrenvertreter und einem einzelnen Bieter möglich wäre.

Aus Sicht vieler Baupraktiker steht diese Regelung aber der Realität des Bauens entgegen. Wie sollen z.B. gerade beim Bauen im Bestand alle notwendigen Leistungen vorhergesehen werden können?

Es ergibt sich das Dilemma, Leistungen entweder "auf Verdacht" auszuschreiben oder es gerade nicht zu tun. In beiden Fällen drohen Nachträge. Werden ausgeschriebene und vergebene Leistungen nicht ausgeführt, hat der Auftragnehmer ebenso Anspruch auf Vergütung, z.B. der enthaltenen Gemeinkostenanteile, wie im anderen Fall, dass eine nicht ausgeschriebene Leistung überraschenderweise doch benötigt wird. Dieses Dilemma können wir hier nicht lösen. Die einzige Lösung wäre, gegen das o.a. VOB-Gebot zu verstoßen in der Hoffnung, dass daraus kein anderer Schaden erwächst.

"Vor der Hacke ist es dunkel."unbekannter Tiefbauspezialist

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